updated: 13.05.10

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Epilepsie
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Idiopathische Epilepsie  = primäre, also genetische, (vererbte) Epilepsie mit generalisierten                                                               tonisch-klonischen Anfällen bei denen keine Tumor- oder                                                                           Fehlbildungen des Gehirns und/oder des Schädels vorliegen.

Sie wird in verschiedene Phasen unterteilt:

Prodromalstadium                 (leichte Wesensveränderung, wird oft nicht wahrgenommen)

Aura                                       (Schreckhaftigkeit, Ruhelosigkeit, extreme Anhänglichkeit)

Iktus                                      (Eigentlicher Anfall, begleitet von starken Krämpfen/Zuckungen mit                                                           Bewusstlosigkeit, Harn und/oder kotabsatz.

Postiktus                                Desorientierung, Erschöpfungszustand, evtl. unmotivierte Aggressivität

 

Man spricht hier vom “Grand mal” = tonisch-klonische Anfälle (dramatische Form der Epilepsie). Die Dauer solcher Anfälle beträgt meist mehrere Minuten.

tonische Phase   =                Anspannung und Verkrampfung der Muskulatur,

klonische  Phase =                Muskelzuckungen

Impulsive Anfälle  =                Sie zeichnen sich durch plötzliche, stoßartige und meistens symmetrische
                                               Bewegungen der Extremitäten aus, die mit großer Energie durchgeführt
                                                werden.
(Die gesamte Muskulatur ist betroffen und der Körper wird von Zuckungen und Krämpfen geschüttelt.)


Symptomatische Epilepsie = sekundäre Epilepsie (erworbene, also nicht vererbte Epilepsie, als Folge von Krankheiten, Hirn-Verletzungen usw.)
 

Petit mal       =        Nicht so dramatisch wie die großen Anfälle und auch in vielfältiger Form.

Propulsiv      =         oft ohne ausgeprägte Symptomatik und werden meist als harmlose Zuckungen
                               oder Erschrecken interpretiert
Retropulsiv  =          Bei Junghunden/Pubertät begleitet von automatischen Bewegungen mit                                                   Tendenz  zum schräg oder auch rückwärts laufen.

Die Dauer solcher Anfälle beträgt meist nur mehrere Sekunden.

  • z.B. Leber- oder Nierenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Kalziummangel, Staupe, usw.
  • Hirnschädigung: Unfall, Trauma, Hirnentzündungen
  • Vergiftung,
  • Vitamin-B-Mangel....usw.

Es gibt auch angeborene Herzerkrankungen, die zur Folge haben, dass das Gehirn nicht ausreichend und kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt wird. Dann können eben auch epileptieforme Anfälle durch einen genetisch bedingten Herzfehler die Folge sein.

Oder auch durch einen Wasserkopf = Hydrocephalus

Nicht jeder Wasserkopf ist rein äussserlich als solcher gleich zu erkennen. Man meint dann, dieser eine Welpe ist halt besonders kräftig. (Ich kenne eine Züchterin, die bei der Geburt der Welpen zuerst fröhlich meinte, die Zuchthündin müsse wohl etwas mit einem Neufundländer gehabt haben. (Zwei Tage später fing der Welpe an zu krampfen und zu schreien.) Es handelt sich also dabei um die genetischen Grundlagen.

Durch einen angeborenen, also genetisch bedingten Wasserkopf können also ebenso Krampfanfälle hervorgerufen werden. (Diese „Wasserköpfe“ sind aber nicht erworben).

Man unterscheidet hier zwischen fokaler oder partieller Epilepsie, die sich in Form von Muskelzuckungen, “Fliegenschnappen”, zwanghaftes “im Kreis laufen”, Kifernschlagen, Aggressivität oder Zuckungen verschiedener Körperteile äußert, usw

Ein schwerer Unfall (Trauma) kann heftige Anfälle, die in Form u. Intensität wie ein “Grand mal” ablaufen, auslösen. 


Die Vererbung 

Es kommt auf die defekten Gene an, d.h. ob sie "dominant", "rezessiv", oder "polygenetisch rezessiv" sind.

Dominant bedeutet: Bei einem der Elterntiere ist ein defektes Gen vorhanden und wird an die
                                Nachkommen weitergegeben.(50% sind betroffen, aber nur bei einigen                                              kommt es zu einem Anfall)

Rezessiv bedeutet: Beide Elternteile sind Träger des defekten Genes und geben somit zu beiden                                     Teilen dieses an die Nachkommen ab.(75 %, davon 25 % Epilepsie, 25 %                                           Träger des Gendefektes, 25 % des Wurfes sind ohne "Befall")

Polygenetisch
rezessiv bedeutet:   Beide Elterntiere haben unterschiedliche Gene, die für sich keine

                                Bedeutung haben, aber aufgrund der Kombination dennoch die

                                Krankheit vererben können. Sehr tückisch! (ca. 30 - 40 % sind

                                befallen, aber nur bei einem kleinen Teil kommt die Epilepsie zum                                                         Ausbruch

Die "hohe Kunst" der Epilepsieforschung darin, eben dies bei primärer (genetischer) Epilepsie herauszufinden.

Die genetischen Aspekte der idiopathischen Epilepsie wurden schon bei verschiedenen Hunderassen durch das Institut für Tierneurologie unter der Leitung von Dr. AndrŽ Jaggy untersucht. Bei diesen Rassen wird die idiopathische Epilepsie über einen multifaktoriellen, autosomal rezessiven Erbgang weitergegeben. Es sind also genetische sowie Umweltfaktoren für die Krankheit verantwortlich. Die idiopathische Epilepsie beim Berner Sennenhund wird mit grosser Wahrscheinlichkeit polygen, autosomal rezessiv vererbt. Das heisst, mehrere Gene müssen gleichzeitig vorhanden sein, damit die Tiere klinische Symptome (epileptische Anfälle) zeigen. Dadurch wird die Ausmerzung dieser Krankheit vor allem durch die hohe Anzahl unerkannter Träger erschwert, da nicht alle Tiere, die das krankmachende Gen in sich tragen, auch krank werden. Diese gesunden Träger können im Moment noch nicht alle erkannt werden. Das Ziel für die Zukunft ist es, einen genetischen Marker zu finden, durch den Träger noch vor dem Zuchteinsatz erkannt werden können.

Will man mit züchterischen Massnahmen diese Erkrankung bekämpfen, so muss deren Erbgang bekannt sein. Ohne Kenntnisse der Vorgeschichten können keine effizienten Selektionsstrategien erarbeitet werden. Mit der sog. Segregationsanalyse wird geprüft, ob und wie die Prädisposition an die Nachkommen weitervererbt wird, insbesondere, ob nur ein oder mehrere Gene im Spiel sind und ob ein allfälliges Hauptgen für die Krankheitsdisposition dominant oder rezessiv vererbt wird.

Quelle:Journal of Small Animal Practice,Juli 1999: “Clinical and genetic investigations of idiopathic epilepsy in the Bernese mountain dog”

Es gibt leider bei den Belgischen Schäferhunden keine epilepsiefreien Linien.

Ich möchte unbedingt auf folgendes hinweisen! Man sollte sich grundsätzlich davor hüten, dem einen oder anderen Elternteil des betroffenen Hundes die "Schuld" an der vererbten (genetischen) Epilepsie zu geben. Aber genauso sollte man es nicht "verschönern" und von einer erworbenen (andere Einflüsse, nicht genetisch) Epilepsie sprechen. (Das ist natürlich u. U. angenehmer für Züchter und/oder Deckrüdenbesitzer.) Natürlich gibt es pathologische Einflüsse, die eine "sekundäre" (erworbene) Epilepsie" verursachen können, aber man sollte auch hier darüber nachdenken, ob nicht auch eine Disposition hierfür besteht, also. z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetis, Kalziummangel, oder eine andere Form der Stoffwechselstörung etc., evtl. vererbt worden ist.

Aufgrund verschiedener Untersuchungen an diversen Universitäten wurde auch deutlich, dass mehr Rüden als Hündinnen "betroffenen" sind, d.h. epileptiforme Anfälle aufweisen.

Da ich früher zwei Epileptiker hatte (Tervueren, gleiche Elterntiere, 15 Monate Altersunterschied) habe ich mich eingehend mit diesem Thema beschäftigt. Bei diesen beiden Tervueren konnte eine sekundäre, (erworbene), Epilepsie ausgeschlossen werden.

Untersuchung/Medikation/Behandlung

Um erworbene, epileptiforme Anfälle auszuschliessen, sollten anhand eines Blutbildes, die Leber,- Nieren-, und Blutzuckerwerte, Kalziumgehalt, Schilddrüse usw. untersucht/überprüft werden. (Ausschlussdiagnostik)

Es gibt die Möglichkeit einer CT oder MRT.  Auch wird in einigen Veterinärkliniken ein EEG angeboten. Bedeutend aufschlussreicher sind da aber Computer- oder Magnetresonanztomographien. Ausserdem eine Liquoruntersuchung (Mit solch einer Untersuchung kann man einen entzündlichen Prozess im Bereich des zentralen Nervensystems feststellen). Ein EEG, wie es beim Menschen angewandt wird, ist beim Hund eher problematisch, da er dazu sediert werden müsste, denn sonst würden die leichtesten Muskelanspannungen ein falsches Bild wieder geben. Ausserdem müsste die Elektrode punktgenau sitzen und der Hund dürfte sich keinen Milimeter mucksen.

Und...

so eine Narkose beeinflußt eben auch die Hirnströme.

Den Kopf röntgen bringt kaum Aufschluss, es sei denn es ginge um minimale Schädelanomalien, aber es ist ansonsten eher ungenau, da die Röntgenstrahlen nicht bis ins innere vordringen, weil sie vom Schädelknochen resorbiert werden.

Eine primäre Epilepsie kann nur dann diagnostiziert werden, wenn eine sekundäre ausgeschlossen werden kann. Es wäre fatal, einem Hund  Medikamente gegen Krämpfe zu verabreichen, wenn  in Wirklichkeit eine Unterzuckerung oder eine Unterfunktion der Schilddrüse oder andere erworbene Stoffwechselerkrankungen, (Mangel/Überernährung), Ursache und  Auslöser von epileptiformen Anfällen wären.

Sofern man anhand der Ausschlussdiagnostik genetische Epilepsie annimmt, werden meist Antiepileptika/Antikonvulsiva verabreicht. Oft wird dadurch eine Verringerung der Anfälle bis hin zur Anfallsfreiheit erreicht. Aber, auch wenn die Mediziner behaupten, diese Medikamente seien harmlos, möchte ich darauf hinweisen, das gehäuft Leber und/oder Nierenschäden, chronische Autoimunkrankheiten oder aber Gleichgewichtsstörungen sowie Colitis (chronisch entzündliche Darmerkrankung) auftreten können.  Also sollte so hoch wie nötig, aber so niedrig wie möglich dosiert werden. Bei nur seltenen Anfällen (z.B. 1 x im Jahr) wird meist von einer Medikation Abstand genommen. Oft wird ein Hund erst eingestellt, wenn die Anfallsintervalle sich verkürzen und/oder dabei auch an Stärke und Dauer zunehmen. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, immer zur gleichen Zeit die Medikamente zu verabreichen.

Da evtl. ein zu hoher Getreideanteil im Fertig-Futter Anfälle zusätzlich provoziert, sollte man
b a r f e n in Erwägung ziehen. Ebenso  können u.U. Spot on's, prophylaktische Wurmkuren und auch Impfungen (Impfreaktion) einen Anfall provozieren.


Bei primärer Epilepsie kann man die Anfälle, wenn man Glück hat, stoppen. Eine echte “Heilung” ist aber nicht möglich.
Bei sekundären epileptiformen Anfällen ist eine Behandlung der Stoffwechselerkrankungen indiziert, allerdings benötigt der Hund evtl. Zeit seines Lebens bestimmte Medikamente.

Verschiedenes

Schwimmen lassen sollte man seinen Epileptiker nur, wenn man bereit ist, ihn vor dem ertrinken zu retten! (Ich habe einmal erlebt, wie ein Cocker-Spaniel einen Anfall während des Schwimmens bekam. Die Wassertemperaturen waren nicht sehr angenehm für den zu Hilfe eilenden Besitzer.)

Auf einen möglichst geregelten Tagesablauf ist zu achten. Bei vielen Hunden lösen Aufregungen und Abweichungen vom normalen Rhytmus Anfälle aus.
(Ebenso gibt es aber Hunde, die prinzipiell während Ruhephasen einen Anfall erleiden.)

Man sollte offen mit dem Thema umgehen, da man damit rechnen muss, dass der Hund auch mal bei Menschenansammlungen, z.B. mitten in der Stadt, einen Anfall erleiden könnte.

Sofern man einen Rassehund besitzt, sollte der Züchter davon in Kenntnis gesetzt werden. Gibt dieser dem Besitzer die “Schuld” oder reagiert er gar erbost, sollte der Besitzer sich mit dem zuständigen Hauptzuchtwart in Verbindung setzen. Nur Transparenz und Offenheit kann der richtige Weg sein. (Kein Züchter züchtet mit Absicht Epileptiker, aber wenn es in seiner Zucht vorkommt, dann sollte er dazu stehen und den Besitzer nicht “im Regen” stehen lassen, sondern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unabhängig davon, ob es sich um genetische oder erworbene Epilepsie handelt. Für den Besitzer ist es erstmal ein “Drama”. Und da sind weder Vorwürfe noch Beschuldigungen oder gar Beschimpfungen angebracht.)

Wenn man zum ersten mal mit einem Anfall seines Hundes konfrontiert wird, “erkennt” man seinen Hund nicht wieder. Ja..., er ist einem plötzlich sogar ein Stückweit “fremd”.
Aber...
Der Hund ist trotzdem der Gleiche, mit all seinen liebenswerten Wesenszügen und Eigenschaften. Ein ständiges Beobachten, als handele es sich um eine “tickende Zeitbombe”, macht es für den Hund nur schwer und verunsichert ihn, denn er reagiert auf unser verändertes Verhalten extrem sensibel. Und...es ändert doch daran nicht wirklich etwas. Mein Coy war dafür das beste Beispiel. Er war ein liebenswerter Spielpartner für meine Kinder.....er war Demonstrationsobjekt in Kindergärten und Schulen.... er absolvierte die BH- Prüfung u. Ausdauer-Prüfung (!),... und  er war bis zu seinem Tod absolut umgänglich, liebenswert und friedfertig.

Man sollte sich mit anderen Betroffenen austauschen und evtl. auch mal einen anderen Tierarzt konsultieren, sofern man Zweifel an Diagnose und/oder Medikation hegt.
 

Zum Schluss

Soweit ich weiss, ist der Erbgang für Epilepsie unbekannt. Die Wissenschaft ist sich hier nicht einig. VetGen (USA) geht davon aus, dass ein einziges Gen dafür verantwortlich ist. Dieses Institut bietet an, Speichelproben und/oder Spermaproben von "erkrankten" Tieren zu untersuchen. Ausserdem versuchen sie einen DNA-Test für Epilepsie bei Hunden zu entwickeln. http://www.vetgen.com/research.html

Dr. A. Jaggy /Universität Bern geht meines Wissens davon aus, dass die idiopathische Epilepsie über einen autosomal rezessiven Erbgang weitergegeben wird, wobei wahrscheinlich mehr als nur ein Gen für die Erkrankung verantwortlich ist.
Da sich die Wissenschaft nicht einig ist, kann man also über den Erbgang wohl nichts genaues sagen.
 

Copyright 2002/2006: Bettina Knaupe. Alle Rechte vorbehalten

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